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Mutig auf die Kunden zugehen mit der neuen PSO-Norm!

Fazit zum Workshop «PSO-Norm im Kundenkontakt» vom 9. November 2017:
Im Rahmen des GFZ-UseCase «Standardisierung» veranstaltete das Grafische Forum Zürich zusammen mit dem VSD, der Ugra und dem Verein PDFX-ready einen sehr gut besuchten Abend in der Berufsschule für Gestaltung Zürich. Mehr als dreissig interessierte Gäste wurden von Yvonne Gadoni (GFZ), Rene Theiler (PDFX-ready/VSD), Mathias Schunke (PDFX-ready, Ugra), Eddy Senn (P/B/U Beratungs AG) und Daniel Brunner (Fachlehrer Drucktechnologie an der Schule für Gestaltung Zürich) begrüsst.


Die Herren Senn und Schunke kamen in ihren Präsentationen sehr praxisorientiert und zügig auf den Punkt. Noch immer ist in vielen Druckereien die «neue» PSO-Norm nicht an der Druckmaschine angekommen.

Mathias Schunke fragte die Zuhörer: «Worauf wartet eine Druckerei, bis sie umstellt? Bis ein Kunde kommt und fragt: Könnt ihr v3?». «Was hindert die Druckerei an der Umstellung auf einen verlässlicheren Prozess», fragte Eddy Senn im Anschluss.

Angstfrei auf dem neusten Stand!

Schon seit 2008 ist die Papierweisse von Auflagen- und Proofpapier nicht mehr «normkonform». Die zunehmend verwendeten optischen Aufheller sorgten dafür, dass die vorhandenen Messgeräte ihrer Aufgabe nicht mehr gerecht wurden. Neue Messgeräte auf der Basis der angepassten ISO Norm 13655:2009 wurden entwickelt und waren zur Drupa 2012 verfügbar. In der Zwischenzeit wurde auch in den Normenausschüssen heftig gearbeitet und mit der ISO 12647-2:2013 die aktualisierte Norm freigegeben.

Neu sind es acht Drucksubstrate statt 5 Papierklassen, neue Messgeräte (M1), eine angepasste Beleuchtung mit UV-Anteil, sowie neue Profile... Early Adoptern wurde schon vor mehr als zwei Jahren die Möglichkeit gegeben, diese verbesserte Norm anzuwenden. Leider hatte die Mehrheit der Anwender wohl mehr Fragen als den Mut zur Umsetzung. «Was machen wir nach der Umstellung von v2 auf v3 mit unseren alten v2-optimierten Daten? Bekommen wir nach der Umstellung bei einem unveränderten Nachdruck wieder die gleichen farblichen Resultate?». Eddy Senn antwortete: Der Druck von v2 Daten nach der Umstellung auf v3 Druckbedingungen ist innerhalb der bestehenden Drucktoleranzen realisierbar. Aufgrund des leicht dunkleren Datensatzes bei v2 Daten und der leicht höheren Tonwertzunahme der v3 Druckbedingung, wird das Resultat kontrastreicher, aber innerhalb der Toleranzen, wiedergegeben. Generell ist die Verwendung von v3 Daten unter v3 Druckbedingungen lückenloser und messtechnisch korrekt nachvollziehbar und daher für die Prozesskontrolle optimaler.

Praxisfragen

Die Praxis an der Druckmaschine und in der beruflichen Bildung erläuterte Daniel Brunner den Teilnehmern: Im Schnelldurchlauf ging es mit einem kurzen, theoretischen Abriss weiter in den Drucksaal. Hier wurde fleissig diskutiert und aus der Praxis berichtet.

Nicht nur die Unsicherheit, wie man als Druckerei fehlerfrei zum richtigen Ergebnis kommt, sondern auch knappere Budgets in wirtschaftlich angespannten Zeiten wurden angesprochen. Immer weniger Druckereien, PrePress-Dienstleister und Agenturen leisten sich professionelle Lithografen.

In einer offenen Fragerunde wurden die Gedanken und Fragen der Teilnehmer abgeholt. Erfreulich, dass hier Antworten gegeben und gefunden wurden, welche manchen Teilnehmer sicher anregen wird, das an diesem Abend Erfahrene im Betrieb wenigstens anzustossen bzw. umzusetzen. Die zunehmende Verwendung der LE-UV-Technik und daraus resultierende Ergebnisse wurde ebenso besprochen, wie die Berufsbildung und das verbreitete Vorurteil, dass der Kundenberater im Aussendienst gerne mehr verspricht, als tatsächlich geleistet (und verrechnet!) werden kann.

Austausch und Fazit

Theiler, Schunke, Senn und Brunner diskutierten im Anschluss an den offiziellen Teil noch lange angeregt mit den Gästen, die alle zum Apéro eingeladen waren. Ein Workshop, der komprimiertes Wissen vermittelte und bei vielen den Wunsch nach «mehr» bzw. «mehr Zeit» hinterliess.

Das Fazit des Abends: PrePress- und Druckdienstleister sollten voller Selbstvertrauen und mit dem vorhandenen Wissen mutig auf die Kunden zugehen und sich fortlaufend weiterentwickeln.

Das Grafische Forum Zürich hat bereits mehrere Veranstaltungen zum Thema Standardisierung durchgeführt und wird sich auch in Zukunft diesen Fragen stellen, um Antworten zu geben. Der Fortschritt ist eine never ending story, und das UseCase «Standardisierung» wird sicher auch 2018 weitere, brennende Themen behandeln.

Text: Reinhard Lasar, freier Mitarbeiter GFZ

Weiterführende Informationen

Informationen zu der neuen Norm finden Sie auf der Webseite der ugra…>>
 
Visual PRINT Reference, die Norm auf den Punkt gebracht. Link zur VSD-Homepage…>>

Workshop-Thema: PSO-zertifiziert - ein garantiert gutes Ergebnis.

Diskussion und Fragen aus der Praxis machen Lust auf Umsetzung.

Eddy Senn kennt die Vorteile und die Umsetzung genau.